renewable-seagul-1030x687 Warum »saubere Energie« besser ist als »erneuerbare Energie«
Warum »saubere Energie« besser ist als »erneuerbare Energie«

Von Wolfgang Horbach

Im Sprachgebrauch hat sich der Begriff »erneuerbare Energie« eingebürgert. Laut der Kognitions-Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling ist der Begriff aber nicht gut: Erstens denken wir bei »erneuern« daran, dass vorher etwas verbraucht oder kaputtgegangen ist, zweitens bedeutet der Suffix -bar soviel wie können, in der Lage sein. Erneuerbar lässt uns also daran erinnern, das vorher etwas nicht in Ordnung war und jetzt zwar in der Lage wäre etwas zu verbessern, aber dass das nicht notwendigerweise auch geschieht. Und dass Erneuern kostet.

Daher ist der Begriff »saubere Energie« besser: Das Wort sauber ruft eindeutig positive Assoziationen hervor: Sauber gedacht! Da hat jemand saubere Arbeit geleistet. Wer hätte nicht lieber mit einem Saubermann zu tun anstatt mit einem Dreckskerl?

Die »saubere Energie« lässt sich auch klar und unmissverständlich von der »schmutzigen Energie« oder der »dreckigen Energie« abgrenzen: Kohle ist schwarz, staubig, macht Qualm, verpestet die Luft und schädigt das Klima. Öl ist schmierig, feuergefährlich, macht Ruß, erzeugt Abgase, schleudert Feinstaub in die Luft und wenn der Tanker zerbricht, sterben Millionen Tiere und die Strände sind für Jahrzehnte verseucht. Atomkraft kann nur mit lebensgefährlicher Strahlung und hohen Sicherheitsrisiken erzeugt werden. Und dann müssen auch noch die hochradioaktiven Abfälle für Hunderttausende von Jahren hermetisch eingeschlossen und bewacht werden.

Lasst uns der »schmutzigen Energie« ein letztes Danke aussprechen, dass sie uns in der Vergangenheit geholfen hat, unseren Wohlstand zu mehren. Lasst uns aber auch klar machen, dass sie aus der Zeit gefallen sei. Dass sie jetzt gehen müsse. Und zwar schnell.

Es lebe die »saubere Energie«.

Foto: Pixabay